Traditionelle Bewässerung in Europa als Kulturerbe

News

24.11.2021

UNESCO-Workshop Immaterielles Kulturerbe: Traditionelle Bewässerung

Der UNESCO-Workshop befasste sich mit der multinationalen Bewerbung der „Traditionellen Bewässerung“ zur Aufnahme in die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“. Rund 35 Vertreter der sieben beteiligten Staaten Europas nahmen unter Leitung der Österreichischen UNESCO-Kommission an der Fachveranstaltung teil, die vom 8.-11. Oktober 2021 in Zams, Tirol, stattfand. Neben der Programmleitung und den Beiräten des langjährigen Projektes waren die Repräsentanten der lokalen Bewässerungs-Trägerschaften, nationaler UNESCO-Kommissionen und Kulturministerien vertreten. Kernthema war die Zusammenführung der Beiträge aus den beteiligten Trägerschaften zur Erstellung des umfangreichen multinationalen Nominierungs-Antrages; weiterhin wurden von einem professionellen Filmteam Interviews mit Vertretern aus den Trägerschaften und der Leitungsgruppe sowie die Demonstration traditioneller Bewässerungstechniken aufgenommen. Die Ergebnisse werden nun noch in digitalen Meetings weiter ausgefeilt. Die Projektleitung des Antragsverfahrens liegt bei der Österreichischen Nationalen UNESCO-Kommission, die als „lead nation“ für das multinationale Projekt amtet, die Unterlagen vervollständigt und nach letzten Prüfungen Ende März 2022 bei der UNESCO einreichen wird. Ein Entscheid ist im Laufe des Jahres 2023-2024 zu erwarten. Wir danken der Österreichischen UNESCO-Kommission, insbesondere der Projektleiterin Cristina Biasetto und Marie-Theres Bauer, für die exzellente Bearbeitung und Unterstützung des Projektes und die zielgerichtete, souveräne Führung durch den Workshop. Ingeborg Vonderstrass (IZTB)

01.04.2020

Vereinigung - Freunde der Wässermatten

Die Wässermatten des Oberaargaus in der Schweiz sind heute weithin bekannt. Sie gehören zu den Identifikations-Symbolen des Oberaargaus, haben eine tausendjährige gut belegte Geschichte; sie sind ein beliebtes Naherholungsgebiet und sie werden immer noch nach alter Übung bewässert. Mit einem Wort, sie sind ein Kulturgut.

Die Wässermatten des Oberargaus sind ein Objekt von 62 Bewässerungssystemen in Europa, die im Rahmen des Programms „Traditionelle Bewässerung in Europa mit Potential für ein Kulturerbe inventarisiert worden sind. Bereits haben mehrere Objekte (in Belgien, Deutschland und Österreich) es im vergangenen Jahr ins „Immaterielle Kulturerbe der UNESCO“ geschafft. Auf Betreiben der UNESCO können sich diese Objekte, zusammen mit den Wässermatten und weiteren Kandidaten, für die „Repräsentative Liste des immateriellen Welterbes“ bewerben. Eine riesige Chance für unsere Wässermatten!

Der Unterstützung seitens des Internationalen Programms können sich die Wässermatten gewiss sein. Wir möchten einen Schritt weiter gehen und für die Wässermatten einen Fan-Club, die Vereinigung – „Freunde der Wässermatten“ einrichten. Gedacht ist an eine lose Vereinigung die sich mit zum Beispiel Events, mit Vorträgen und Exkursionen das Gedankengut um die Wässermatten pflegt und in die Öffentlichkeit trägt. Historisch gab es in den Wässergenossenschaften die jährliche Fronarbeit in der die Gräben und Schleusenanlagen unterhalten wurden. Falls die Landwirte dafür Unterstützung brauchen könnten, wäre das eine faszinierende Aufgabe für (handwerklich und landwirtschatlich) interessierte Mitglieder der Vereinigung.

Die Mitgliedschaft ist ohne Verpflichtung. Es soll einfach mit engagierten Leuten die Idee der Wässermatten als regionales Kulturgut gefördert werden. Ideen dazu sind willkommen und gefragt. Bei Interesse melden Sie sich bei der Koordinationsstelle des Internationalen Programms: Christian Leibundgut und Ingeborg Vonderstrass (chris.leibundgut(at)hydrology.uni-freiburg.de)

 

01.10.2020

Beirat „Traditionelle Bewässerung“

Information der Programmleitung zur Einrichtung eines „Internationalen Zentrums der Traditionellen Bewässerung als Kulturerbe Europas“ im Kloster St. Urban am 01.10.2020

Die Hangbewässerungslandschaft der Oberwalliser Sonnenberge, die wir im Rahmen des Beiratstreffens in Brig-Naters 2019 besucht hatten, wurde von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz zur „Landschaft des Jahres 2020“ erklärt. Aus diesem Anlass wurde nach langer Vorbereitung auch offiziell eine regionale Trägerschaft für das Oberwallis gegründet.

In den Queichwiesen wurden in Anwesenheit eines Landesministers und prominenter politischer Vertretung aus Bundes- und Landtag sowie den lokalen Bürgermeisterschaften eindrucksvolle Informationstafeln anlässlich der Aufnahme in die Bundesweite Liste des Immateriellen Kulturerbes errichtet und eingeweiht.

Vom Schweizer Bundesamt für Kultur wurde die traditionelle Bewässerung des Mittellandes, hier gewürdigt in der „Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz“, räumlich ergänzt, so dass nun die drei Kantone Bern, Luzern und Aargau gemeinsam vertreten sind.

In Franken startet derzeit ein umfassendes Reaktivierungsprogramm, grosszügig unterstützt von der öffentlichen Hand.

Die Stiftung Waterpark, Veldwerkcentrum het Lankheet und die Vereniging Natuurmonumenten en Beheereenheid Kempen en Midden-Limburg in den Niederlanden haben die Traditionelle Bewässerung von Grasland in das Inventar der nationalen UNESCO eingeschrieben. Der Antrag auf Aufnahme in die nationale Liste der Immateriellen Kulturerbe in der UNESCO und den Niederlanden läuft.

Seitens der Programmleitung konnten wir ebenfalls einen beachtlichen Meilenstein setzen:

Nach langjährigen Abklärungen und Vorbereitungen ist nun zum 1. Oktober 2020 das geplante „Internationale Zentrum der Traditionellen Bewässerung als Kulturerbe Europas (IZTB)“ mit Sitz im ehemaligen Zisterzienser-Kloster St. Urban (LU/CH) geschaffen werden. 

Damit verfügen wir an prominentem Ort über eine gemeinsame Geschäftsstelle, was unserer Aussenarbeit und Darstellung gegenüber Entscheidungsträgern enormen Auftrieb verleihen wird. Offiziell lautet die Note: „Es ist vorgesehen, das Zentrum zu einer Stätte von Dokumentation, Kommunikation und Wissensaustausch auf europäischer Ebene zu entwickeln sowie von hier aus das gemeinsame Kulturerbe zu pflegen, die europaweiten Aktivitäten zu koordinieren und die Kulturleistungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Zentrum wird weiterhin, gemeinsam mit lokalen Trägerschaften, Universitäten und Behörden, die Inventarisierung der traditionell betriebenen Bewässerung und der damit verbundenen historischen Wassernutzung in Europa betreiben und die Aufnahme weiterer Bewässerungsobjekte in das Immaterielle Kulturerbe unterstützen.“

Das Kloster selbst gilt historisch als die Wiege der Bewässerungswirtschaft im Schweizer Mittelland und bietet ein einzigartiges, hoch repräsentatives räumliches Umfeld. Hinzu kommt, dass die letzten verbliebenen aktiven Wässermatten im Oberaargau vor Ort konkrete Anschauung bieten zur Pflege von Wässerlandschaften und den Kulturtechniken des mit der Bewässerung verbundenen traditionellen Wasserbaus.

Wir können nun einen geräumigen Büroraum beziehen und eine erste Organisationsphase starten. Das klösterliche Umfeld bietet zudem attraktive Räumlichkeiten, die für Aktivitäten und Veranstaltungen aller Größenordnungen angemietet werden können. Vor Ort gibt es ein Klostergasthaus und Catering, für die nahe Zukunft geplant ist ein Gästehaus mit Übernachtungsmöglichkeiten. Wer sich den Standort näher ansehen möchte: www.st-urban.ch. Dort findet Ihr u.a. unter „Kloster/Konvent“ Innenansichten.

Wir hoffen, Euch aufgemuntert und ermutigt zu haben, weiter am gemeinsamen Werk zu arbeiten und hoffnungsvoll in die Zukunft der „Traditionellen Bewässerung“ zu blicken.

 

Mit herzlichen Grüssen – für die Programmleitung

Christian Leibundgut